Nepal & Indien 2019

Loading...

11. Mai 2019

Annapurna - PART 1

Was ist in den letzten Tag passiert? 

Nach unserem Start in Besisahar (760m) erreichten wir über Danakyu (2300m) unser heutiges Etappenziel Upper Pisang (3300m). Auf den 75 km Strecke, die wir bis jetzt in 5 Tagen zurückgelegt haben, stellte sich der Gebirgsfluss Marsyangdi Nadi als ständiger Begleiter und Orientierungshilfe heraus. Die Landschaften durch die sich der Fluss mit steigenden Höhenmetern windet sind extrem dynamisch. Etwa alle 500 Höhenmeter ändert sich das Bild von Flora und Fauna komplett: Zu Beginn liefen wir durch Wälder und Terrassen die dem Dschungel nicht weit entfernt waren, jetzt laufen wir durch kahle Nadelwälder. Die Trekkingrouten verlaufen meist durch die Wälder und bieten eine krasse Aussicht auf das Annapurnamassiv. Den ersten 8000er konnten wir gestern bereits ausmachen und ist mittlerweile immer in unserem Blickfeld. Ansonsten führen die Routen auch zu heißen Quellen und ViewPoints, oder etlichen Wasserfällen, von denen wir schon über 40 gesehen haben und die manchmal Fallhöhen von über 200m haben. Die Berge, die uns mittlerweile umgeben, erreichen jetzt Höhen von 5500 - 8000m und sind mit Gletschern überzogen. 

Den Schlaf- und Tagesrhythmus haben wir mittlerweile wie geplant umgesetzt. Dabei war bis jetzt jeder Morgen von den Fußballergebnissen der internationalen Wettbewerbe geprägt. Am Morgen nach dem Finaleinzug Liverpools war das 4 bis 5fache Tempo auf jeden Fall drin. Gut so da! 

Wie bereits erwähnt sind wir bis jetzt immer gegen 16 Uhr an der Zieldestination des Tages angekommen und in Lodges unterkommen. Da wir gegen Ende der Hauptsaison laufen, bezahlen wir für die Übernachtung in der Regel kein Geld, lediglich Abendessen und Frühstück werden bezahlt. Ausgestattet sind die Unterkünfte ohne viel Schnickschnack: 2 Betten, 1 Mülleimer - reicht. Toilette und Bad befinden sich meist auf dem Gang. Dank gasbetriebener Wasservorlaufheizer waren bis jetzt alle Duschen mindestens lauwarm, manchmal sogar heiß. Das Abendessen setzt sich eigentlich immer aus Nudeln mit Ei und Gemüse, oder Reis mit Curry zusammen, das Frühstück aus tibetischen Brot. Unser radikales Sparprogramm und die mit jedem Höhenmeter steigenden Preise lassen leider Verlockungen, wie einem Snickers für 4€, keinen Raum. Manche Lodges bieten sogar noch Extraausstattungen wie etwa Hanteln mit Steinen als Gewichten. Diese Gelegenheit ließ sich Jakob natürlich nicht nehmen und schob deshalb nach der 20km Wanderung noch ein kleines Workout hinterher. 

Was uns außerdem etwas verwundert, sind die Mitstreiter unseres Weges. Bereits am ersten Abend waren die einzigen anderen Gäste ein deutsches Paar aus Leipzig. Wir haben sie,aufgrund unserer ehrgeizigen Tagespläne, am nächsten Tag natürlich im Staub gelassen, schauten aber wiederum nicht schlecht, als wir in Jagat auf das Pärchen trafen, das bereits auf der Busfahrt nach Besisahar hinter uns gesessen hatte. So bildete sich in der ersten Lodge eine Art deutsches Basislager, als das nächste deutsche Pärchen ebenfalls unserer Lodge beiwohnte und sich im Hotel gegenüber das dritte deutsche Pärchen einquartierte. Das hat uns dann doch sehr überrascht und letztendlich einen unausgesprochenen Wettbewerb zwischen den Teams ausgelöst, wer zuerst auf der anderen Seite des Passes ankommt. Dem enormen Druck aus der Heimat sind wir uns natürlich bewusst und wir sind guter Dinge, den Sieg nach Hause zu holen. 

Was der ganzen deutschen Trekker Dramatik die Krone aufsetzte, war das Mittagessen im Dorf Karte, das wir natürlich als erstes erreichten, und das Pärchen aus dem Bus uns offenbarte, dass sie sich in Koblenz kennenlernten und die Bachelorabsolventin über der allseits bekannten Lieblingskneipe von Nils G., dem Affenclub,wohnte. Der Schock, dass wir auf dem Dach der Welt, mitten im Gebirge, Leute aus Koblenz trifft, sitzt auch jetzt noch tief in unseren Knochen. 

Ein weiterer ständiger Begleiter ist neben dem Fluss auch die Vielzahl an streunenden Hunden, die sich des Öfteren dazu entscheiden uns einige Kilometer zu begleiten. Brenzlig wurde es, als der Hund der Lodge aus Danakyu uns über 7km folgte und keine Anzeichen machte unsere Seite zu verlassen, sondern anscheinend die Immigration in Deutschland schon fest im Blick hatte. 

Eine äußerst wackelige Brücke, die es zu überqueren galt, setzte dem Ausritt des Hundes jedoch ein Ende. Wir hoffen, dass er den Weg zurück gefunden hat. 

Da wir heute die 3000er Marke geknackt haben, verkürzen sich unsere Tagesetappen von 20km auf kürzere Strecken zwischen 5 und 15km. Die Höhenakklimatisierung, um die Höhenkrankheit zu vermeiden spielt dabei eine wichtige Rolle. 

Kürzere Strecke bedeutet aber nicht weniger Anstrengungen! Die Steigungen, die wir zurücklegen bringen uns weiterhin täglich an unser Limit, selbst die Traktoren der Bauern bekommen auf den Pisten ihre Probleme - da weißte wo du dran bist. 

Außerdem liegt ein Auge ständig auf dem scheinbar völlig willkürlich zusammengestellten Wettervorhersagen, die teilweise Minusgrade und Schnee ankündigen. Am gestrigen Abend sorgten starke Winde und Gewitter für etwas Unruhe, doch wir sind zuversichtlich den Thorung La Pass sicher und ohne Schneefall zu überqueren. 

Der mittelfristige Plan für die nächsten Tage sieht voraus, am Montag das Dorf Manang zu erreichen, das derzeit noch ca 15 km Luftlinie von uns entfernt ist. 

Manang ist der letzte Ort, der mit dem Auto zu erreichen ist. Von dort aus führt der Weg zum Thorung La Highcamp (4900m), das wir innerhalb von 3 Tagen erreichen wollen nur noch über Wanderwege. Aufgrund der extremen Höhendifferenzen, die auf kurzer Strecke zurückgelegt werden, sind die Tagesetappen ab 4000m teilweise nur 5 km lang, doch aus Gründen der Akklimatisierung nicht auszudehnen. 

Die Passüberquerung startet vom High Camp aus, verläuft über den Thorung La Pass (5416m) und endet in dem Dorf Muktinath (3670m). 

Muktinath wird voraussichtlich auch die erste Station sein, an der eines der sündhaft teuren Biere als Belohnung getrunken wird. 

Der Risikoeinschätzung sind wir uns jedoch vollkommen bewusst, in Manang findet sogar täglich ein Aufklärungsseminar zum Thorung La Pass statt. 

Jedoch ein kleiner FunFact am Rande: Die Besteigung des Annapurna 1 (8091m) ist mit einer Sterberate von etwa 30% die gefährlichste weltweit. 

Nicht ganz so knapp am Tod vorbeigeschlittert, aber schon ziemlich nah dran, war heute Sebi, als er seine Tüte für die Aufbewahrung seiner Socken öffnete und von einer Spinne mit 3cm Länge begrüßt wurde. Puh!!

clear select_all 1 Foto(s) ausgewählt