Nepal & Indien 2019

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16. Mai 2019

Annapurna - PART 2

Da sind wir wieder! Wie bereits im letzten Blogeintrag vermerkt, war der Internetzugang oberhalb von 3500m leider nicht ausreichend um den Blog fortzuführen. 

Nach unserer zu letzt erwähnten Station Upper Pisang auf 3300m war das folgenden Etappenziel das Dorf Braka, das ca 2 km vor Manang liegt. 

Doch noch bereits am Abend unserer Ankunft in Upper Pisang, sorgte ein heftiges Gewitter mit starken Schneefall und Regen für einige Zweifel bei uns und den anderen 6 Gästen der Lodge. Die Temperaturen lagen nachts in dieser Höhe bei unter 0 C und da die Zimmer ohne Heizung oder ähnliches ausgestattet sind und die Fensterrahmen oftmals nur nach dem Maß pi x Daumen gebaut werden, hieß es auch in der Nacht: Schlafsack zu und durch. 

Der nächste Morgen begrüßte uns jedoch (wie bisher jeder Morgen) mit strahlendem Sonnenschein und keinerlei Neuschnee. 

Der Ritt nach Braka (3360m) gestaltete sich insbesondere durch einen enormen 300 Höhenmeter Aufstieg, bei dem sich die ersten Anzeichen von AMS (Acute Mountain Sickness) meldeten, hart.

Ausschlaggebend, warum die Wahl auf das Dorf Braka und nicht auf Manang gefallen war, war der Tagesausflug zum berüchtigten Ice Lake (4600m), der auf unserem Programm fest eingeplant war. In der Unterkunft trafen wir übrigens auf das Pärchen aus Koblenz, welches das gleiche Vorhaben hatte. 

Der 1300m Aufstieg sollte sich auf eine 6km lange Strecke verteilen, die am Frühstückstisch noch von uns beiden belächelt und als „easy going“ abgestempelt wurde. Bereits nach 2 der 6km äußerten sich die ersten Anzeichen von AMS, und uns wurde ganz schnell klar, dass dieser Aufstieg zu einem der härtesten Touren werden würde, die wir je gemacht haben. 

Nachdem wir den Ice Lake nach 4 Stunden Aufstieg erreicht haben, war die Ernüchterung über den trüben See relativ groß. Aufkommende Wolken mit leichtem Schneefall reduzierten unseren Aufenthalt am See auf wenige Minuten und eine kurze Fotosession. Eigentliches Highlight des Ausflugs war die Sichtung von Bengalgeiern. Die zu 99,9% ausgestorbene Art konnten wir aus nächster Nähe erleben. Einige Exemplare flogen mit ihren über 2m großen Spannweite nur wenige Meter über unsere Köpfe hinweg und versetzten uns und andere Wanderer ins Staunen. 

Nach dem ebenso harten Abstieg machten wir uns auf die letzten Kilometer nach Manang zu schrubben und uns für die kommenden 2 Nächte einzuquartieren. Denn Manang ist, wie bereits erwähnt die Endstation für die Jeeps, die die Möchtegern Hiker direkt von unserem Startpunkt Beshishar (860m) zum alpinen Dorf befördern. 

Manang wurde von uns aus 2 Gründen als letztes Ziel mit Straßenschluss gewählt. Zum einen ist Manang das letzte „große“ Dorf, in dem allerlei Kleinigkeiten besorgt werden konnten und zum anderen findet im örtlichen „Krankenhaus“ täglich eine Infoveranstaltung zum Thema AMS statt, die wir besuchten. 

Die Höhenkrankheit bereitete uns bis dahin weniger Kopfzerbrechen, die Knochen trockene Luft machte uns eher zu schaffen. Die Kombination aus Staub und trockener Luft verwandelten unsere Atemwege in ein raues Pflaster. Durch die weitaus dünnere Luft und die damit aufkommende Kurzatmigkeit ließen Zweifel daran aufkommen, ob das passiv Rauchen auf der ein oder anderen exzessiven Kellerbarfeier vielleicht doch größere Folgen mit sich gebracht hatte. 

Nach einem Tag Akklimatisierungspause, machten wir uns gesundheitlich leicht angeschlagen auf den Weg nach Yak Kharka, womit wir gleichzeitig die 4000m Marke geknackt haben. Der Aufenthalt in dem winzigen Dorf wurde durch einen bemerkenswerten Franzosen aufgebessert, der sich mit einem Mountainbike auf den Weg zum Thorung la Pass machte und seine erkrankte Frau schlichtweg auf der Hälfte des Weges zurückließ. Besonders bemerkenswert macht das Vorhaben des älteren Mannes die Tatsache, dass alle Wege nach Manang Trekking Pfade sind, die wahrlich nicht zum Fahrradfahren einladen. 

Nach einer Nacht auf 4100m war unser nächstes Ziel das Basecamp der Thorung La Passes, welches auf 4400m lag. Wiedermal gestaltete sich der Weg dorthin als angenehm und wurde durch gutes Wetter begleitet. Angekommen in der Lodge, die wenigstens besonders dicke Decken vorzuweisen hatte, gesellten wir uns in den „Livingroom“, der von allen Gästen als bevorzugter Aufenthaltsort gewählt wird, da dieser als einziger Raum durch einen Ofen beheizt wird. Innerhalb weniger Minuten bildete sich um uns eine Gruppe spielfreudiger Hiker aus Spanien, Frankreich, Argentinien und Australien, die allesamt sehr interessiert am Kartenspiel „Durak“ waren. Während der amüsierenden Runde fiel jedoch der plötzlich eingesetzte Schneefall kaum auf. Dementsprechend verdutzt und geschockt war der ganze Raum, als die doch relativ hohe Schneedecke wahrgenommen wurde und an anderen Tischen bereits über einen mehrtägigen Aufenthalt gemunkelt wurde. Nichts desto trotz hat sich nach dem Abendessen eine Gruppe von 10 Leuten gefunden, die die Passüberquerung am nächsten Tag dennoch in Angriff nehmen wollte und somit Frühstück für 03.30 Uhr morgens bestellten. 

Mit von der Partie waren natürlich wir!

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