Nepal & Indien 2019

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17. Mai 2019

AnNapurna - part 3

Um den Tag in wenigen Schlagworten zu beschreiben: „Geisteskrank“, „Abriss“, „Überragend“. 

Aufregung und Adrenalin waren bereits bei der Frühstück Bestellung nahe am Höhepunkt. Aufgrund der extrem kalten Temperaturen wurde sich darauf geeinigt die kurze Nacht bereits in Funktionswäsche, Socken etc. zu verbringen, damit um 3.10 Uhr, als der Wecker klingelte, nur noch Hose und Jacke anziehen zu müssen. Zunächst herrschte große Erleichterung mitten in der Nacht: der Himmel war klar, der Vollmond hell am strahlen und die Schneemengen weitestgehend verschwunden. Bereits der nächste Gedanke richtete sich auf die erste Etappe des Tages: Aufgrund der extrem dünnen Luft entschieden wir uns die Nacht im Basecamp auf 4400m und nicht im Highcamp auf 4900m zu verbringen. Die 500 Höhenmeter waren auf einem Pfad von 1km Länge zu nehmen. 

Ziemlich genau um 4 Uhr morgens machte sich die 10er Gruppe auf den Weg den immerhin noch 1000m höheren Thorung La Pass (5416m) zu überwinden. Mit Kopflampen ausgestattet ging es in Richtung Highcamp. Geredet wurde wenig, alle waren darauf konzentriert ihre Atmung und Laufgeschwindigkeit auf einem Level zu halten. 

Gegen 5 Uhr erreichten die letzten Mitglieder der Gruppe das Camp, von wo aus der Sonnenaufgang hinter einer wunderschönen Bergkette von 6000ern beobachtet wurde. 

Das kleinste Etappenziel wurde erreicht, nach kurzer Pause galt es das nächste Ziel in Angriff zu nehmen : Nach 4km auf dem Pass zu stehen. 

Die Natur um uns herum war nun wahrlich hochalpin: Kein Bewuchs mehr, nur noch Fels, Schnee und Eis. Die Pfade waren nur noch breit genug für eine Person und führten teils über gefrorene Bäche und durch hüfthohen Schnee. 

Nicht nur die Natur wurde radikaler, auch der Sauerstoffgehalt der Luft setzte sich weiter deutlich ab. Immerhin liegt der Sauerstoffgehalt auf dem Pass bei 50% von dem auf 0m über NN. 

Kombiniert mit der extremen Steigung und der großen körperlichen Anstrengung, war das regelmäßig Überprüfen von Symptomen der AMS Routine. Wir hatten zu keinem Zeitpunkt Probleme oder Anzeichen der Höhenkrankheit, aber eine junge Frau aus unserer Gruppe hat es gegen 6 Uhr leider schlagartig erwischt. Es stellte sich als einer der härteren Fälle heraus: Völlige Erschöpfung, Ausfall von Kommunikation, Kopfschmerzen und die Unfähigkeit Nahrung zu sich zu nehmen, brachten Nervosität in die Gruppe und zwangen letztendlich 3 Leute dazu sich zurück ins Highcamp zu begeben. 

Um 6.50 Uhr klinkten sich weitere 5 Leute der Gruppe aus, um eine größere Pause einzulegen. Somit reduzierten sich Teilnehmer, die direkt zum Pass aufsteigen wollten auf uns beide. 

Gegen 8.10 Uhr erreichten wir als einer der ersten Gruppen am Tag überhaupt und mehrere Stunden vor den anderen 5 Gruppenmitglieder der höchsten Punkt des 5416m hohen Passes. Die Erleichterung war groß, da ob der sehr kalten Temperaturen (das Wasser ist uns in den Flaschen gefroren) der Aufstieg so schnell geschafft wurde und das Wetter weiterhin einen weiten, wolkenlosen Blick in die Ferne gestattete. 

Aufstrebender waren jedoch schon am Morgen die Winde, die sich aufgrund der unterschiedlichen Erwärmung der West-Seite gegenüber der Ost-Seite des Passes ausbildeten und teilweise äußerst stark waren. 

Auf der Passspitze verweilten wir jedoch fast eine Stunde. Da wir den Pass freitags überquerten, wurde sich nicht die Gelegenheit nehmen lassen der Borussia aus Dortmund im Meisterschaftskampf gegen die Lederhosen Unterstützung aus 5416m zukommen zu lassen. 

Es war ungefähr 9.10 Uhr, als wir uns zum Abstieg der Westseite aufmachten und das letzte Ziel Muktinath anvisierten. 

Im Gegensatz zum kalten Aufstieg auf der Ostseite gestaltete sich der Weg zum 3500m hohen Muktinath als extrem heiß und anstrengend. Der nun durch Felswüsten und extrem trockene Gebiete verlaufende sehr steile Pfad imponierte uns keineswegs und gestaltete die 9km lange Strecke als nervenaufreibend. 

Um 14 Uhr gelang der Einzug in eine offenbar gute Unterkunft, in der nach Mittagessen und Dusche erstmal ausgiebig geschlafen wurde und in der wir beim Abendessen auf 3 Frauen trafen, die wir während der Passüberquerung überholt hatten. Geredet wurde über den Erfolg, die Bedeutung der Überquerung, Zukunft und Vergangenheit. 

Den schwierigsten, höchsten und anspruchsvollsten Teil des Circuit gemeistert zu haben, der die ganzen Tagen vorher in den Köpfen jedes Wanderer war, ist an diesem Abend und auch jetzt immer noch schwer zu realisieren und ein einmaliges Erlebnis.

Ob wir jemals einen höheren Berg als 5416m besteigen wagen wir zu bezweifeln. 

#onthetopoftheworld

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