Nepal & Indien 2019

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1. Juni 2019

Einführung Indien

Abflug in KTM: 16 Uhr. Besonders erwähnenswert: die doppelte Sicherheitskontrolle. Einmal die reguläre Kontrolle nach Aufgabe des Check In Gepäcks und einmal die ungewöhnliche, direkt an der Treppe zum Besteigen des Fliegers. Die Angst vor einer pakistanischen Bedrohung scheint immens. Da weder unsere Eltern Pakistanis sind, noch unsere Großeltern einmal in Pakistan waren (ja das mussten wir bei der Visabewerbung angeben), konnten wir natürlich problemlos die Maschine besteigen und uns (endlich) auf den Weg nach Delhi machen. 

Bereits verschiedene Trekker in Nepal warnten uns vor der willkürlich auftretenden Fotosucht der Inder, sobald sie weiße Europäer sehen, die ihr Land bereisen. Zunächst nichts ahnend, machten wir im Flieger damit schon Erfahrung, als die 3er Mädchenreihe vor uns heimlich den Fokus ihrer Selfies nicht auf sich selbst, sondern auf den, in allseits bekannter Position, schlafenden Jakob richteten. 

Um 17 Uhr landeten wir in Delhi. Die neuen Rahmenbedingungen: 46 C Außentemperatur, 30% Luftfeuchtigkeit und gelber Smok über der 19 Millionen Einwohner Metropole. 

Die 20km Taxifahrt zum Hotel, war auch gleichzeitig die Einführung in die wilde urbane Verkehrskultur in Indien. Im Gegensatz zu Nepal, finden sich hier auf den asphaltierten Straßen Fahrbahnmarkierungen. Aber auch nur, um vielleicht den ein oder anderen Arbeitsplatz mehr zu schaffen, denn keiner hält sich daran: Die Autos fahren wild hupend über alles, was auf der Straße ist, die Motorräder nehmen Abkürzungen über die Baustellen. 

Angekommen in unserem Hotel in Old Delhi, stellten wir fest, dass wir im indischen Pardon des Schanzenviertel gelandet sind, in dem die Straßen mit Streetfood Läden übersät sind. Die Wahl des Abendlokals fiel aufgrund von über 3000 Google Bewertungen auf einen auf Naan (indisches Brot) spezialisierten Laden, der einen äußerst dubiosen Eindruck machte. Nichts desto trotz nahmen wir auf den einzigen freien Plätzen im Speiseraum platz und fanden uns an einem Tisch mit Vater und Sohn wieder. Neben der Tatsache, dass sie, wie der ganze Saal, förmlich aufschrieen, als wir den Raum betraten, nahmen sie eine essenzielle Bedeutung für die Wahl unseres Abendessens ein. Denn: Die Zeiten, in denen wir aus teilweise westlich orientierten Gerichten wie Sandwich, oder Pancake auswählen konnten sind jetzt endgültig vorbei. Auf den Speisekarten sind ausschließlichindische Gerichten gelistet, bei denen eine genauere Beschreibung, außer der Name, fehlt. Umso mehr begrüßten wir die ausgiebige Beratung und das anschließende gemeinsame Abendessen, inklusive Nachtisch an einer der Fressbuden der Straße, die Dünnis eigentlich vorprogrammieren. 

Was außerdem einen wesentlichen Unterschied zu Nepal ausmacht, ist das unbeschreibliche Gewusel, Geschrei und einfach gesagt der Abriss, der hier auch noch nach 20 Uhr geschoben wird. 


Unser Reiseplan für Indien setzt sich aus verschiedenen Stadtbesuchen zusammen, die alle im Norden des Landes liegen und uns besonders von den Leuten empfohlen wurde, die wir in Nepal auf dem Trek trafen. 

Also heißem unsere Stationen: Amritsar (Grenze zu Pakistan), Agra, Varanassi und Delhi. Natürlich haben wir uns vorbehalten überall, wo wir länger bleiben wollen, länger zu bleiben, oder spontan andere Ziele mitzunehmen. Einziges festes Datum ist der Abflug am 16.6. von Delhi. 


Den Zug von Delhi nach Amritsar, wurde von uns ja bereits in Nepal, verbunden mit einigen Nervenzusammenbrüchen, gebucht und sollte am folgenden Tag um 12.20 Uhr den Bahnhof in Delhi verlassen. Wir konnten daher vorher noch ein paar wichtige Dinge erledigen, um dann früh genug um ca. 11 Uhr am Bahnhof zu sein. Dazu gehörten: Essen für die Fahrt besorgen, Indisches Geld abheben und eine SIM-Karte für mobiles Internet kaufen. Aber wir wären ja nicht in Indien, wenn das für Touristen so einwandfrei funktionieren würde...

Um diese Karte für das indische Netz nämlich zu beantragen, müssen wieder einmal zwei Passbilder und Kopien von allen erdenklichen Ausweisdokumenten vorgelegt werden. Das war dann leider in der kurzen Zeit nicht mehr zu schaffen.

Dass wir aber doch mehr Zeit hatten, als anfangs gedacht, erfuhren wir am Bahnhof, an dem wir nach anfänglicher Orientierungslosigkeit in einem kleinen Raum mit drei halbwegs kompetent aussehenden Indern über die Verspätung von knappen drei Stunden informiert wurden. Und wir beschweren uns in Deutschland über die DB...

Die Folgen für uns: 3 1/2 Stunden bei 46 C am Gleis warten. Doch zum Glück musste auch halb Delhi auf ihre Züge warten, denn für etwa eine Stunde bewegte sich auf den Gleisen nichts. Alleine waren wir also nicht. Aber wie wir später feststellen sollten, ist man das in Indien sowieso nie. 

Um 15 Uhr sollte dann unsere Indian Railway Experience starten. Aber frooch nit wie! Sleeper Class hört sich auf dem Papier ja erst mal gut und komfortabel an und sollte auf der 7 stündigen Fahrt auch genutzt werden. Doch ganz so komfortabel war es natürlich nicht: Die Sleeper Class besteht grundsätzlich aus 1,50 m langen Plastik Pritschen, die von indischen Großfamilien gebucht und kurzerhand zum Wohnzimmer umfunktioniert werden. Dabei werden die zu dritt übereinander gestapelten Pritschen von verstaubten Ventilatoren beatmet, die in 2 Meter Abständen an der Decke hängen.  

Damit man in den Zügen nicht verhungert, laufen im 5 Minuten Intervall Verkäufer durch die Waggons und schreien aus ganzer Seele: Daaaaaaaaaal (gekochte Hülsenfrüchte mit Gewürzen). Kein Wunder also, dass wir die meiste Zeit an den offenen Waggontüren verbrachten und im Fahrtwind Indiens Landschaft bewunderten. Die extreme Vermüllung haben wir auf diese Weise auch das erste mal wahrgenommen und sie ist wirklich kaum in Worte zu fassen. 

Um 22.30 Uhr erreichten wir endlich die Millionenstadt Amritsar und suchten nach einem Taxi, das uns zum Hotel bringt. Aufgrund eines, vor allem bei Lukas B sehr beliebten, TukTuks, die überall hundertfach in Indien anzutreffen sind, erreichten wir nach einer kurzen, aber verrückten Fahrt unsere Unterkunft. 

Die Szenerie der Ankunft kann man sich wie folgt vorstellen: Im Hintergrund läuft Feine Sahne Fischfilet‘ „Komplett im Arsch“, das Zimmer sporadisch mit allem ausgestattet, was man brauch, nur die Klimaanlagen suchten wir vergebens, also ging’s auch direkt unter die Dusche und danach in die Kiste. 

Völlig erschöpft und mit unseren Gedanken beim Champions League Finale ging es ins Land der Träume. Gut Kick und gute Nacht! 

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