Nepal & Indien 2019

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9. Juni 2019

Khajuraho

„Ab auf‘s Land“, war die Devise für die Reise nach Khajuraho. 

Khajuraho liegt in dem Bundesstaat Madhya Pradesh, 650 km südöstlich von Delhi entfernt. Was die Stadt attraktiv macht und uns von einer Anreise überzeugte: Die lediglich 25.000 Menschen, die hier wohnen. Khajuraho ist der südlichste Punkt unseres Indienaufenthalts und besonders für seine historischen Tempelbezirke aus dem 10. bis 12. Jahrhundert, die zum UNESCO Weltkulturerbe gehören,bekannt. 

Die idyllische Stadt erreichten wir, nach sehr komfortabler Zugfahrt mit Decke und Kissen, gegen 20.30 Uhr, weshalb nach dem Abendessen umgehend zu Bett gegangen wurde. 

Khajuraho sollte als Ort der Erholung für uns dienen. Der ganze Trubel, das Chaos und die Menschenmengen in den Millionenstädten zuvor gingen doch erheblich an die Substanz, wodurch unser einziger fester Programmpunkt die Besichtigung der Tempelanlagen war. 

Beim verspäteten Frühstück um 10 Uhr fiel die Entscheidung dann auf einen Ausflug raus aus der Kleinstadt, in Richtung der ländlichen Gebiete. Anreiz dazu gab uns der 21 Jahre junge Hotelbesitzer, der uns einige Ziele empfahl und uns sogar eine Royal Enfield Classic 500 für den Tag organisierte. Außerdem brachten wir die weiteren Top Aktivitäten rund um Khajuraho bei ihm in Erfahrung und waren erfreut zu hören, dass es nur 30km von hier den Panna-Nationalpark mit mehr als 35 Tigern gab, und Safaris nur 25€ pro Person kosten sollten. Da die Tour in den Chitwan Nationalpark in Nepal leider ausgefallen war, entschieden wir uns folglich die Safari zu buchen und direkt zu bezahlen. 

Und mit der Bezahlung erlebten wir auch die ersten Nachteile, die eine Kleinstadt in Indien so mit sich herumschleppt. Kartenzahlungen wurden leider nicht akzeptiert und das Bargeld war rar. Die naheliegende Lösung: Geld abheben an einem der ATMs. 

Der erste Zwischenfall: Das Moped. Begeistert vom kraftvollen blubbern des Einzylinder, Viertakters, machte sich Sebi mit einem Freund des Hotelbesitzers auf Automaten Suche. Doch bereits nach wenigen hundert Metern war Feierabend: Ein verstopfter Filter sorgte dafür, dass bereits nach kurzer Strecke der Motor immer wieder verstummte. Also ging es erstmal zurück in die Werkstatt, in der das Problem scheinbar kurzerhand erkannt und durch einen Filterwechsel behoben sein sollte. Doch weit gefehlt, denn erneut standen wir nach 100 m am Straßenrand. Während der doch längeren Wartezeiten und den ausführlicheren Gesprächen mit dem Freund des Hotelinhabers, wurde Sebi allmählich klar, dass wir uns hier im Crackers‘ Paradies befinden. Denn: der Freund stellte sich als Farmer heraus, der auf seinen 5ha Feld unter anderem im großen Stil Marijuana anbaut und dementsprechend ein befreites Leben führen kann. Das Nachbarhaus aus Zandvoort hätte den Aufenthalt in Khajuraho vermutlich schlagartig auf Open end verlängert. 

Übrigens das andere Problem der Kleinstadt: Die Geldautomaten sind alle blank. Nach einer Stunde Fahrerei durch die Stadt war klar, dass das Geld über eines der Hotels abgehoben werden musste, was mit höheren Kosten verbunden war. 

Naja, nachdem alles über die Bühne gegangen ist, machten wir uns bei angenehmen 45 C mit dem Moped auf den Weg zu einem großen Canyon, den wir ganz alleine erkunden durften. Nach längerem Aufenthalt in dem knochentrockenen Gebiet waren wir auf der Suche nach einem kühleren und vor allem feuchteren Platz. Auf der Karte entdeckten wir einen sehr großen See, nur 10 km entfernt, der sich bei Ankunft aber leider als ausgetrocknet herausstellte. Übrigens: In Indien ist momentan die trockenste Vor- Regenzeit seit 65 Jahren, wie die Zeitung „Hindustan Times“ berichtet. 

Gegen späten Nachmittag machten wir uns wieder auf den Heimweg, denn zum Abendessen waren wir mit der Familie des Hotels verabredet. Vor dem gemeinsamen Abendessen wurden wir spontan noch auf eine indische Hochzeit eingeladen, zu der mehr als 1000 Leute kommen sollten. Da in Indien momentan Ferienzeit ist, finden hier täglich mehrere Hochzeiten statt, die in der Regel erst gegen 22 Uhr beginnen und bis 7 Uhr morgens andauern. Da am nächsten Morgen der Wecker bereits um 4.20 Uhr klingeln sollte, reichte es jedoch leider nur für einen Kurzbesuch. Nach dem köstlichen Abendessen hieß es für uns: ab in die heia 

Die beste Zeit, um im Panna National Park die meisten Tiere zu sehen, ist am frühen Morgen. Folglich sollte unsere Safari auch nur 5 Stunden dauern, nämlich von 5 bis 10 Uhr. Also machten wir uns mit unserem sehr ambitionierten Jeep Fahrer, der im Stil eines Walter Röhrl sein Gefährt über die leeren Pisten auf den Weg zum Nationalpark jagte. Einige Wirbelsäulen Brecher später, machten wir uns zusammen mit unserem Guide gegen 5:50 Uhr per Jeep auf die Reise. 

Die Erwartungen waren, nach der verpassten Löwen Sichtung in Ruanda, natürlich enorm. Mit dem Jeep ging es über Stock und Stein, bergauf bergab, an unzähligen Antilopen, Monkeys und Wildschweinen vorbei, bis plötzlich abrupt angehalten und 2, weitaus seltener anzutreffende, Leoparden gesichtet wurden. Nach der spektakulären Sichtung der Tiere machten wir uns weiter an den Ken River, an dem wir ein Krokodil erblicken konnten. Einen der 40 Tiger konnten wir leider nicht antreffen, aber dafür lief uns einer der sehr seltenen Lippenbären genau vor die Linse. 

Um 10 Uhr im Hotel angekommen, genehmigten wir uns eine ausgedehnte Pause bis zum Mittagessen, die zum Schlafen genutzt wurde. Der Nachmittag gehörte dann schließlich den historischen Tempelanlagen, die eigentlich als einziger Programmpunkt bei uns auf der Liste standen. 

Das Abendessen verbrachten wir wieder zusammen mit der Familie, dann wurde ein letztes Mal geduscht, denn noch am gleichen Abend sollten wir in Richtung Varanasi aufbrechen. Der Zug, diesmal in der etwas schlechteren 3AC Class, soll Khajuraho planmäßig um 23.50 Uhr verlassen und das 300km Luftlinie entfernte Varanasi um 11 Uhr morgens erreichen. Die Zahlen sprechen für sich, wir sind gespannt, ob wir ankommen!

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