Nepal & Indien 2019

Loading...

12. Juni 2019

Varanasi

Eine Stadt, 3 Namen, 4 Religionen. Varanasi, oder historisch, Kashi, liegt im Osten des Landes am Fluß Ganges und ist sogleich für die 4 großen Religionen in Indien und dem südwestasiatischen Raum essenzieller Bestandteil des Glaubens. Sowohl Hinduismus, Buddhismus, Sikhismus und auch der Jainismus sehen in der 1,2 Millionen Einwohner Stadt einen heiligen Ort, dementsprechend ist Varanasi und insbesondere der Ganges stark frequentiert. Außerdem beheimatet Varanasi das größte „residential college“ in Asian - Also die größte Uni mit Wohnmöglichkeiten für Studenten. 

Der dritte Name, Benares, kommt übrigens ein Überbleibsel der muslimischen und britischen Herrschaftsperiode und war bis zur indischen Unabhängigkeit der alleinige Name der Stadt. 

Die Bahnhöfe in Khajuraho und Varanasi sollten zugleich der Start- und Endstation unseres Zuges sein, der Khajuraho pünktlich um 23.50 Uhr verließ und in dem wir außergewöhnlich gut schlafen konnten. Völlig überrascht und begeistert von der Indian Railway, stellten wir fest, dass wir die heilige Stadt bereits 1 Stunde früher, um 10 Uhr erreichten. Den DB Vergleich sparen wir uns an dieser Stelle. 

Grundsätzlich Tiefen entspannt und ausgeruht ging es ins Hotel und zum ATM, um die Bargeldreserven aufzustocken und das Hotel zu bezahlen. Am besagten Bankautomaten kam es zum worst case: Die Kreditkarte war gesperrt, Geld Abhebungen waren nicht mehr möglich. Der vorhandene Cash Betrag war erschreckend klein (50 Cent), der Schock in erster Sekunde riesengroß. Nach vielem Hin und Her wurde das Problem letztlich durch das Umtauschen unserer letzten großen Euroreserven gelöst und somit unsere Liquidität wieder hergestellt. Vorerst zumindest. Von diesem Zeitpunkt an führen wir ein durchkalkuliertes Leben auf Pump: Jede Mahlzeit, jeder Transfer, jedes Hotel hat seinen eigene Kostenrahmen, der nicht gesprengt werden darf, wenn wir mit 150€ bis Sonntag auskommen wollen. 

Nach der Lösung des Problems und neuer Ausrichtung unserer Finanzpolitik machten wir uns gegen Abend auf den Weg zum Ufer des 2600km langen Ganges, an dem jeden Abend ein besonders Ritual zu Ehren der hinduistischen Gottheit abgehalten wird, das wir von einem Boot aus verfolgten. 

FunFact am Rande: Auf dem Weg zum Ufer nahm uns der äußerst freundliche Hotelier Haroon auf seinem Roller mit. Bei der Besteigung des Gefährts fingen nicht nur Jakobs Nerven an zu flattern, sondern auch die Naht am Schritt seiner Hose verabschiedete sich mit einem lauten Knall in den vorläufigen Ruhestand. 

Da Varanasi als eine der ältesten und schönsten Städte Indiens bekannt ist, sollte der folgende Tag zur Erkundung der Altstadt und vielen kleinen Gassen genutzt werden. Nach spätem Frühstück ging es bei gewohnten klimatischen Verhältnissen durch Bazaars und Straßen zu einem, auf den Karten sehr groß skizzierten Park, der sich in der Realität leider als vollkommen verunstaltet und ungepflegt herausstellte. Trotzdem verbrachten wir unsere Siesta im Schatten unter einem der 3 Bäume, mitten im Müll. Wenigstens leisteten uns wieder allerlei Leute und vor allem Kinder Gesellschaft. Der weitere Tagesverlauf führte uns zum spirituellen Zentrum der Stadt, dem Ganges. Im Hinduismus steht Varanasi,  für den Ort der Geburt und des Todes. Varanasi ist deswegen maßgeblich für die Bestattungsrituale am Ganges bekannt, bei denen die Leichen am Ufer verbrannt und die Asche anschließend in den Ganges geschüttet wird. Für Menschen hinduistischen Glaubens ist die Bestattung am Ganges in Varanasi die größt mögliche Vervollkommnung ihres Lebens. Aus diesem Grund findet man überall in der Stadt Menschen auf den Straßen, die extra nach Varanasi gekommen sind, um im Ganges bestattet zu werden. 

Die Verbrennung und Bestattung gilt übrigens als Akt der Freude, weshalb dieses Ritual auch öffentlich zugänglich ist und einen ungefilterten Einblick in den Glauben ermöglichen. Auch wir besuchten eines der vielen „burning ghats“, an denen täglich mehr als 150 Menschen verbrannt werden und bekamen sogar von einem Pfleger eine ausgiebige Führung durch die verschiedenen Kapitel dieses Rituals. Die Intensität und die Gefühle, die die Beobachtung bei einem ausgelöst werden sind an dieser Stelle unbeschreiblich und nicht wenige lassen den Besuch dieser Bestattung aus. 

Nach dem Besuch des Burning Ghats machten wir uns auf den Weg zur nahegelegenen Zeremonie, die wir am Vortag bereits vom Wasser aus beobachtet hatten. 

In Guides steht es geschrieben und jeder Hotelbesitzer gibt es dir mit auf den Weg: an der Promenade des Flusses warten besondere Masseure auf, die unglaubliche Hand Massagen anbieten, zunächst behaupten es sei kostenlos, später aber horrende Summen verlangen. 

Dieser Gefahr bewusst, machten wir uns auf den Fußweg zur Zeremonie und eh ehe man sich versah, waren gleich 2 Masseure Jakob intensiv am bearbeiten. Einer kümmerte sich mit fürsorglichen Schlägen auf den Kopf, um den Oberkörperbereich, der andere arbeitete akribisch daran die verspannte Wadenmuskulatur wieder in die Gänge zu bekommen. 

Nach kurzer, aber intensiver Behandlungspause, konnten wir die Zeremonie ein weiteres Mal von Land aus beobachten und feststellen, dass die eigentlich spirituelle Veranstaltung, aufgrund der hunderten, vorwiegend indischen Touristen, die wirklich jede einzelne Sekunde filmen, nahezu Festival Charakter besitzt. Schade eigentlich. Nach dem Abendessen verabschiedeten wir uns früh ins Bett, da der nächste Tag mit der Beobachtung des Sonnenaufgangs am Flussufer beginnen sollte. 

Der Wecker klingelte nun schon zum 2. Mal in dieser Woche um 4.20 Uhr, dementsprechend träge schleppten wir uns zum kaum besuchten Flussufer. Zur  Aufwachphase wesentlich beigetragen, haben die Rufe der Moscheen, die bereits um 4 Uhr morgens durch die Straßen hallen. Der Sonnenaufgang am Ganges sollte aufgrund von größeren Wolken- und Nebelfeldern nicht allzu spektakulär ausfallen, aber es war sehr interessant zu sehen, wie die Stadt langsam in die Gänge kommt und die Menschen zum heiligen Wasser strömen, um sich darin zu baden. Außerdem wurden wir exklusiv vom indischen Radiosender „bigFM Varanasi“ interviewt, wo wir natürlich Rede und Antwort standen. Ansonsten sollte der dritte und letzte Tag in Varanasi genutzt werden, um die Universität zu besuchen, die in einer sehr großzügig angelegten Parkanlage zu finden ist. Da wir bis 23.30 Uhr Zeit hatten, wurde ausgiebig in einem der vielen Parks pausiert, wobei nicht ausgeschlossen ist, dass man dabei nach einem kleinen Nickerchen mitten im großen Inder-Picknick aufwacht. Wir haben in einem der vielen Studencafes entspannt gegessen und schließlich in der Hotellobby mit einem weiteren Gast über Gott und die Welt geredet, bis schließlich nach dem Abendessen die letzte Dusche in Varanasi genossen wurde und es völlig übermüdet, nach einem 20 Stunden Tag, in den Zug Richtung Lucknow ging. 

Lucknow ist der vorletzte Stop unserer Reise und die letzte Stadt, die wir per Nachtzug erreichen werden. Die etwa 7 stündige Zugfahrt werden wir diesmal in der 1AC Class, also der First Class verbringen, um alle Klassen mal durchgeschaukelt zu haben und, hoffentlich einigermaßen erholt, Lucknow um 6.30 Uhr morgens erreichen. 

clear select_all 1 Foto(s) ausgewählt