Nepal & Indien 2019

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16. Juni 2019

Rückblick

Im Flieger nehmen wir uns auf 11.000m nochmal die Zeit, um zurück zu blicken, auf die 6 Wochen in Nepal und Indien. Wie ihr durch die Blockeinträge mitbekommen habt, wurde unsere Reise im Vorfeld nicht bis ins letzte Detail, bis auf den letzten Kilometer durchgeplant und alles nach einem strikten Fahrplan abgearbeitet. Wir nahmen uns die Zeit, die wir brauchten, um anzukommen, abzuschalten und uns auf 2 neue Länder, neue Sprachen, Kulturen und kaum unterschiedlichere Landschaften einzulassen. 

Wir denken, wir können behaupten, während unserer Reise viel gesehen und erlebt zu haben, aber vor allem können wir behaupten gelernt zu haben, was es heißt, richtig zu reisen, mit Menschen anderer Kultur zusammen zu leben und das beste aus dem zu machen, was man hat. 

4 Wochen auf dem Dach der Welt zeigten uns eine kaum zu beschreibende Landschaft, die trotz ihrer Extremitäten in allen Lagen von Menschen bewohnt und vor allem geliebt wird. Trotz der undankbaren Lage zwischen China und Indien, dem außergewöhnlichem Relief und dem Erdbeben aus dem Jahr 2015, trafen wir auf Nepalesen, die zufrieden waren mit ihrem Leben, die mit den minimalsten materialistischen Standards auskommen und die mit stolz behaupteten Nepalesen zu sein. Nach Ruanda, wurde uns ein weiteres Mal demonstriert, was es bedeutet, seine Wertschätzung im Leben auf die richtigen und vor allem wichtigen Dinge zu legen. 

Diese Wertschätzung erfuhren wir vor allem in Form der Offenheit, die uns gegenüber aufgebracht wurde, aber auch im sozialen Umgang zwischen den Nepalesen selbst. Natürlich steht in vielen Aspekten hinter dem Auftreten der Menschen auch eine ökonomische Motivation, aber in Nepal, und dort besonders während des Treks, hatten wir sehr viele Begegnungen und Momente, die sowohl auf Freundlichkeit als auch auf Herzlichkeit beruhten und somit teilweise im Kontrast zu den deutschen Gegebenheiten stehen. 

Neben den Menschen hat natürlich auch die Landschaft, die wir auf unserer 230km langen Wanderung um das Annapurna Himal gesehen haben, einen prägenden Eindruck bei uns hinterlassen und dazu beigetragen, das Land von seiner wahren Seite zu sehen. 

Die vielen Bilder, die wir von dieser Wanderung hochgeladen haben, können unsere Erfahrungen und Erlebnisse, unsere Grenzen, an die wir gegangen sind und die vielen Gefühle, kaum widerspiegeln. Allen voran ist dabei die Passüberquerung zu nennen, auf die wir tagelang hingearbeitet haben und definitiv das Highlight der 230km war. Mit dem Aufstieg war mehr verbunden, als nur das Besteigen eines Berges. Es war ein Tag, der für uns einen Wendepunkt markieren sollte, ein Moment, den wir nie vergessen werden und der ebenfalls mit vielen Emotionen bepackt war. Beide sind wir uns sicher, dass wir niemals zuvor auf einem höheren Punkt gestanden haben und wir sind uns sehr unsicher, ob wir jemals auf einem höheren Berg stehen werden, als an diesem Tag. Auch wenn dies das Highlight der Wanderung war, war es auch nur einer von insgesamt 16 Tagen, die allesamt besonders und einzigartig waren. Denn nur alle Tage zusammen machten den Trek zu dem, was wir erlebt und gefeiert haben. 

Nepal haben wir uns von Beginn an ausgesucht, da dieses Land nicht zu den Standard Reisezielen gehört und besonders in den Bergregionen und im Westen noch unberührte Landschaft und Kultur vorzufinden ist. Doch es ist nicht zu leugnen, dass Nepal bereits über touristisch erschlossene Regionen verfügt, die besonders im asiatischen Raum beliebte Destinationen sind und von Touristen langsam überformt werden. Nichts desto trotz, blicken wir auf einen einzigartigen und beeindruckenden Aufenthalt auf dem Dach der Welt zurück, der mit unseren Erlebnissen beim großen Nachbarn Indien kaum zu vergleichen ist. 

Größtes Merkmal Indiens ist die unglaubliche Bevölkerungsdichte, die dazu führt, dass man an keinem Ort, zu keinem Zeitpunkt alleine ist. Der Riesenstaat hat seine ganz eigenen Gesetze, die vermutlich jedem Besucher eine Eingewöhnungsphase abverlangt und teilweise schwer zu verstehen sind. 

Auch Indien stellte sich als Land heraus, das uns in Bezug auf zwischenmenschliche Beziehungen einiges lehren sollte. 

Schnell werden einem die unterschiedlichen Maßstäbe im Vergleich zu Nepal bewusst, die in den Gesellschaften vorherrschen. Die Rahmenbedingungen in den Megastädten lassen sich oftmals auf das Tagesziel „überleben“ reduzieren. Tagelöhner arbeiten mehr als 13 Stunden an 7 Tagen der Woche, schlafen auf den Straßen und kämpfen um jedes Geld. Aus diesem Grund ist der Lebensstil in den Städten vor allem von Hektik, Chaos und Lärm geprägt, der von uns zunächst akzeptiert werden musste. 

Nach kurzer Gewöhnungszeit, lernten wir jedoch auch in die indische Kultur und Lebensweise einzutauchen und zu verstehen. Besonders auszeichnend ist die soziale Akzeptanz der unzähligen Kulturkreisen und den vielen Religionen, die sich in Indien treffen. Überall trafen wir auf glückliche Menschen, die gemeinsam Feste feierten, zusammen aßen und gegenüber Touristen besonders neugierig und freundlich waren. Wir trafen auf viele Menschen, die uns gegenüber besonders offen waren, Lebensgeschichten mit uns teilten und offen darüber sprachen, wie es ist kurz vor dem Abgrund, dem Nichts zu stehen. Was jedoch alle verband, war der Wille und Glaube daran, es zu schaffen und immer weiter zu arbeiten. Für die Familie, die Freunde und sich selbst. Fester Bestandteil dieses Glaubens und Motivation sind für die jungen Inder die engen Freunde, die immer fest zusammenstehen und deren Zusammenhalt wirklich einzigartig ist. 

Oft bekamen wir den schmalen Grad zu Gesicht, der zwischen Arm und Reich, einer Mahlzeit oder Hunger, entscheidet zu Gesicht. Der soziökonomische Druck verleitet viele Menschen in Indien dazu, besonders von Touristen, ausbeuterisch zu handeln. Diese Tatsache (und die einigen Male, die wir übers Ohr gehauen wurden) war maßgeblich dafür verantwortlich, dass sich unsere Fähigkeit unseren Gegenüber besser einzuschätzen wesentlich verbessert hat. 

Neben der Vielfältigkeit an Menschen, auf die wir in Indien getroffen sind, ist die Vielfältigkeit des Kulturschatzes ebenso unbeschreiblich. Neben den historischen Attraktionen und Gebäuden, die wir besuchten, sind die kulturellen Elemente wie Gesang, Tanz und Philosophie wahrlich beeindruckend und faszinierend. Auch der Gegensatz zu der Hektik und dem Trubel, die Meditation und Selbstfindung sind in Indien fest verankerte Bestandteile der Kultur und beinhalten, wie wir lernen durften, sehr tiefgründige und rudimentäre Elemente. 

Dass die wichtige Elemente der Religionen, die sich allesamt einer grünen und sauberen Umwelt verschrieben haben, den ökonomischen Zwängen oftmals unterliegen sieht man in Nepal und Indien vor allem an dem Müllbewusstsein der Bevölkerung. Abfälle jeglicher Art werden einfach auf Straßen oder in Flüsse gekippt, von Kühen und vielen anderen Tieren gefressen, oder von den ärmsten Menschen noch irgendwie weiterverwendet. Als wir mit den indischen Zügen an den indischen Abfallstädten vorbeifuhren, in denen es bestialisch stank und in denen hunderte von Menschen mitten im Müll leben, verfinsterte sich unser Glaube an das Verhindern des Klimawandels deutlich. Doch genau das Umweltbewusstsein wird von beiden Nationen in den kommenden Jahren gefördert werden und macht Mut zur Hoffnung. 

Nachdem wir jetzt etwas abgedriftet sind können wir alles in allem aber festhalten, dass unsere 6 wöchige Reise nahezu durchgehend von Höhepunkten gespickt war und die Menschen, Landschaften und Erlebnisse uns noch für immer begleiten werden. Besonders die außergewöhnlichen Begegnungen mit Einheimischen und Menschen aus aller Welt, sind Erfahrungen, die jeden verändern und wachsen lassen und die einem das Gefühl geben, an jedem Ort der Welt daheim sein zu können, wenn man sich nur darauf einlässt. 

Von unserer Seite war‘s das mit dem Blog, wir hoffen ihr hattet Spaß beim Lesen, man sieht sich im Winkel!

#neverstopexploring 

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